Bergsteigerdorf Ginzling – ein Hochgebirge zum Anfassen

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Das Bergsteigerdorf Ginzling in den Zillertaler Alpen

Unter Kennern oft nur kurz und knapp Ginzling genannt, ist das Dorf Dornauberg-Ginzling im Bezirk Schwaz im Südosten Tirols Teil der beiden Nachbargemeinden Mayrhofen und Finkenberg. Hohes überregionales Renommee genießt die heutige 400-Seelen-Ortschaft bereits seit gut 150 Jahren als Hort des Alpinismus. Schon ab 1879 zog die seinerzeit erbaute Berliner Hütte die ersten auswärtigen Pioniere des Bergsteigens ins Zentrum der Zillertaler Alpen. Den Wegbereitern folgte mit Beginn des 20. Jahrhunderts ein immer größeres Publikum in das landschaftlich so reizvolle und beeindruckende Gebiet zwischen Floitental, Zemmschlucht, Tuxer Hauptkamm und Ginzlinger Hausberg, dem 1780 Meter hohen Tristner. Dessen Zweitname Jaunspitze sorgt mitunter für geografische Verwirrung, wird der Berg doch gelegentlich mit der Jaufenspitze im Südtiroler Sarntal verwechselt.

Schlegeis in den Zillertaler Alpen

Blick auf den Schlegeis Richtung Olperer (c) Ginzling

Ende der 1920er Jahre wurde Ginzling schließlich als populärer Ferienort an das lokale Straßennetz angebunden, ab 1930 gab es regelmäßigen Postverkehr mit Marhofen. Nach den Wirren des Zweiten Weltkrieges, in denen der Fremdenverkehr vor Ort nahezu zum Erliegen kam, erholte sich Ginzling schnell wieder wirtschaftlich und besann sich auf seine alpine Tradition. Durch den Bau des Harpfnerwandtunnels zwischen 1964 und 1966 wurde die Anreise um Einiges einfacher und bequemer, im Jahr 1971 erhielt Dornauberg-Ginzling eigenes Ortsstatut samt Vorstehung. Seither wurde und wird das beliebte Bergsteigerdorf Ginzling in der Fachliteratur immer wieder detailliert gewürdigt und verewigt, die Mehrheit der 72 Dreitausender in den Zillertaler Alpen können vor hier aus erkundet werden. Der Ort ist auch bestens geeignet, um den benachbarten Hochgebirgs-Naturpark Zillertaler Alpen zu entdecken, der kürzlich zu „Österreichs Naturpark 2015“ gewählt wurde.

Ginzling Zillertaler Alpen

Blick auf Ginzling (c) Ginzling

Mit den weiteren Tiroler Gemeinden und Regionen Gailtal, Sellraintal, Villgratental, Vent im Ötztal sowie Sankt Jodok, Schmirntal und Valsertal gehört Ginzling seit dem Jahr 2008 zur ehrgeizigen Bergsteigerdörfer-Initiative des Österreichischen Alpenvereins (ÖAV), deren Mitglieder sich nach strengen Kriterien richten müssen. Dazu zählen u.a. Bewahrung und Pflege lokaler Kultur und Tradition sowie der ortsbildtypischen Bebauung, Förderung des nachhaltigen Tourismus sowie der Forstwirtschaft samt Vermarktung lokaler Erzeugnisse, weitgehender Verzicht auf technische Erschließung und motorisierten Verkehr, qualitativ ausgewählte Beherbergungsbetriebe, hochwertiges Bergsportangebot, aktiver Natur- und Umweltschutz sowie stetige Kommunikation und intensiver Informationsaustausch der Bergsteigerdörfer untereinander. Das beste konkrete Beispiel hierfür im Bergsteigerdorf Ginzling ist sicherlich das gemeinsam von der Ortsverwaltung und der Naturparkbetreuung genutzte und verwaltete Naturparkhaus.

Blick auf den Hochfeiler

Hochfeiler (c) Ginzling

Die Auswahl an Kletter- und Kraxelmöglichkeiten sowie Berghütten rund um den Ort muss in der Region und auch sonstwo keinerlei Vergleiche scheuen. Der Klassiker ist natürlich der gut 70 Kilometer langen Berliner Höhenweg von Finkenberg nach Mayrhofen über die 7 Berghütten Gamshütte, Friesenberghaus, Olpererhütte, Furtschaglhaus, Berliner Hütte, Greizer Hütte, Kasseler Hütte und Edelhütte. Recht anspruchsvoll, außergewöhnlich und schwierig zeigt sich der Nasenwand-Klettersteig, der auf gar keinen Fall bei schlechten Wetterbedingungen in Angriff genommen werden sollte. Zum Treffpunkt der internationalen Klettersportszene entwickelt sich auch zunehmend der Klettergarten „Ewige Jagdgründe“. Ein schönes Ausflugsziel in der Nähe von Ginzling ist übrigens der Schlegeis-Stausee, von dem man auch bis ins Pfitschertal in Südtirol wandern kann.

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Bergsteigerdorf Ginzling - vor etwa 150 Jahren entdeckte der Alpinismus das Gebiet des heutigen Naturparks für sich und prägt ihn bis heute mit zahlreichen Schutzhütten, Höhenwegen und Gipfelanstiegen. Zentrum des Alpintourismus war und ist das Bergsteigerdorf Ginzling. Den Grundstein für die alpine Infrastruktur legten verschiedene Sektionen des Deutschen Alpenvereins. 1879 wurde mit der heute denkmalgeschützten Berliner Hütte die erste Alpenvereinshütte im Zillertal eröffnet. Neben der DAV-Sektion Berlin betreiben heute die Sektionen Greiz, Kassel, Neumarkt in der Oberpfalz, Otterfing, Plauen und Würzburg Schutzhütten im Hochgebirgs-Naturpark. Die DAV-Sektion Aschaffenburg und die OeAV-Sektion Zillertal betreuen in ihren Arbeitsgebieten Wege und Steige.

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