Ramsau Bergsteigerdorf – das erste Bergsteigerdorf in Deutschland

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Ramsau Bergsteigerdorf – kleine Nationalparkgemeinde mit großer Alpingeschichte

Betrachtet man den historischen Beginn des Alpinismus im deutschsprachigen Raum, fällt schnell auf, dass es häufig Geistliche waren, welche die heute bekanntesten Berge im frühen 19. Jahrhundert erstmals erklommen. Dies gilt etwa für den 2713 Meter hohen Watzmann in den Berchtesgadener Alpen, der im Jahr 1800 von dem slowenisch-österreichischen Priester Valentin Stanič bezwungen wurde. Auch der Hundstod (2.593) und die Schönfeldspitze (2.653) im Steiernen Meer sowie der Hochkalter (2.607) wurden zwischen 1825 und 1830 erstmalig gewissermaßen mit Gottes Hilfe erobert. Diese Meriten gebühren dem später als Kardinal und Erzbischof in Salzburg und Prag tätigen Adeligen und konservativen Katholiken Friedrich zu Schwarzenberg.

Sogar der Vater des modernen Genussbergsteigens um der reinen Freude wegen war ein Theologe. Der Namensgeber der Thurwieserspitze (3.652) in den Ortler-Alpen, Peter Karl Thurwieser, dem auch zahlreiche weitere Erstbesteigungen in den Alpen glückten, gelang 1833 der heute übliche Anstieg als Normalweg auf den Hochkalter über die Steilrinne zur Grateinschartung des „Schönen Flecks“. Bekannt war der „Bergnarr im Priesterrock“ unter seinen Zeitgenossen vor allem für seine Angewohnheit, einmal auf dem Gipfel angelangt, dort eine seiner selbst gebastelten Raketen abzufeuern. Ein durchaus amüsanter Brauch, der unter heutigen Bergsportlern wohl aber eher auf Befremden stoßen würde. Doch nicht nur Priester und Pfarrer eroberten damals die steilen Berge, auch einfache Einheimische waren als Pioniere diesbezüglich sehr erfolgreich.

So bestieg beispielsweise der von seinen Freunden „Kederbacher“ genannte und offiziell erste autorisierte Bergführer Deutschlands, der Bauer und Holzknecht Johann Grill aus dem heutigen Bergsteigerdorf Ramsau, im Jahr 1881 als Erster die Watzmann-Ostwand. Grill galt seinerzeit als Ausnahmetalent und Koryphäe im Gebirge, berühmte Bergsteiger wie etwa Eduard Richter, Johann Stüdl, Karl Blodig und Ludwig Purtscheller vertrauten auf sein Wissen sowie seine Erfahrung und durchstreiften zusammen mit dem ersten Hüttenwirt des im Jahr 1887 eröffneten Watzmannhauses die alpinen Landschaften. Dem bekanntesten Sohn Ramsaus, dessen Grab auf dem lokalen Friedhof liegt, ist auch das 1981 enthüllte Kederbacher-Denkmal am Ortseingang gewidmet. Eine Holzskulptur zu seinen Ehren steht im Berchtesgadener Haus der Natur, das Original im Bozener Messner Mountain Museum.

Diesen historischen Hintergrund kann man also durchaus bedenken, wenn man heute den gut 200 km² großen Nationalpark Berchtesgaden im UNESCO-Biosphärenreservat Berchtesgadener Land besucht. Deutschlands einziger Nationalpark in den Alpen hat übrigens auch eine interessante Gründungsgeschichte. Erst der auf das hartnäckige Bestreben diverser Naturschutzorganisationen in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Alpenverein von der bayerischen Landesregierung im Jahr 1978 erwirkte Beschluss zur Ausweisung der Gegend als Nationalpark und Naturschutzgebiet verhinderte den damals von den umliegenden Gemeinden geplanten Bau einer Seilbahn, der das bezaubernde Panorama optisch unwiederbringlich verschandelt hätte. Heutige Bergfeunde können sich also freuen, dass sie noch immer freie Sicht auf das Watzmannmassiv und berühmte Berggestalten wie die Blaueisspitze genießen können.

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Ramsau Bergsteigerdorf - die Gemeinde Ramsau bei Berchtesgaden wurde heute als erste deutsche Gemeinde feierlich in den Kreis der „Bergsteigerdörfer“ aufgenommen. Der DAV engagiert sich mit dem Projekt „Bergsteigerdörfer“ aktiv für die Förderung des naturnahen und ressourcen­schonenden Tourismus. Zum Festakt zeigten sich Ramsau und die Berchtesgadener Alpen von ihrer prächtigsten Seite. Mit Sonnenschein und Panoramablick feierte die Gemeinde mit ca. 100 Anwesenden ihr Bergsteigerdorf. Prominente Gäste waren Staatsministerin Ulrike Scharf (Umwelt und Verbraucherschutz), Staatsministerin Ilse Aigner (Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie) und der Generalsekretär der Alpenkonvention Markus Reiterer.

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